„Ich wollte nicht abbrechen“

Herausforderung gemeistert: Lisa Drengemann aus Blütlingen überquert während eines Schulprojektes zu Fuß die Alpen

(Quelle: Elbe-Jeetzel-Zeitung vom 15.08.2014)

Lisa Drengemann (rechts) aus Blütlingen und Thea Clasen aus Salzwedel haben während ihres Schulprojektes Herausforderung die Alpen in sechs Tagen zu Fuß überquert.

Lisa Drengemann (rechts) aus Blütlingen und Thea Clasen aus Salzwedel haben während ihres Schulprojektes Herausforderung die Alpen in sechs Tagen zu Fuß überquert.

dm Blütlingen Ganztagsschule Salzwedel Gesamtschule Sekundarschule Gymnasium. Der Begriff Herausforderung erscheint eher wie eine Untertreibung für das, was sich Lisa Drengemann aus Blütlingen und ihre Mitschülerin Thea Clasen aus Salzwedel für ein Schulprojekt der Jeetze-Schule Salzwedel unter diesem Titel vorgenommen hatten: Sie wollten zu Fuß die Alpen überqueren. Und das haben die beiden Jugendlichen im Juli auch tatsächlich geschafft und dabei nicht nur diese große Herausforderung gemeistert, sondern auch gleichzeitig noch ein paar mehr. „Es hat Spaß gemacht, war extrem anstrengend. Ich hatte nicht erwartet, dass wir es schaffen. Ich würde es auf jeden Fall wieder machen“, blickt die 18-jährige Lisa Drengemann im Abstand von ein paar Wochen stolz auf die sechstägige Wanderung auf dem Europäischen Fernwanderweg von Oberstdorf in Bayern nach Meran in Italien zurück.

„Ich fand das wahnsinnig beeindruckend, dass sie sich das vorgenommen haben“, sagt die Klassenlehrerin der beiden Schülerinnen, Jane Ahlberg. Die Jugendlichen sollten sich während ihrer Herausforderung in 14 Tagen mit etwas völlig Neuem beschäftigen, etwas machen, das sie noch nie gemacht haben. Eine Alpenüberquerung haben Jugendliche bei ähnlichen Projekten anderer Schulen schon geschafft. Auf die Idee, eine solche Tour auch zu absolvieren, sind die beiden Klassenkameradinnen durch einen Bericht darüber vor dem Herausforderung-Projekt gekommen, berichtet die Klassenlehrerin.

Die größte Herausforderung einer Alpenüberquerung ist die körperliche Anstrengung. Die beiden Schülerinnen haben insgesamt 140 Kilometer und ein paar tausend Höhenmeter bewältigt. „Am Pitztaler Joch ging es bis auf 3019 Meter hoch“, berichtet Lisa Drengemann. Sie sind täglich morgens um 6 Uhr losgewandert und zwischen acht und 14 Stunden unterwegs gewesen. „Es ging über verschneite Skipisten und Pfade, über Geröll und Felsen, bei denen man sich an einem Seil hochziehen musste. Wir sind durch Bäche gegangen und über Kuhwiesen.“ Während die Blütlingerin, die sich mit kürzeren Wanderungen vorbereitet hatte, viel Rad fährt, betreibt ihre 17-jährige Schulkameradin keinen Sport. „Wir sind unterschiedlich schnell gegangen, deshalb hatten wir uns zeitweise getrennt“, schildert Lisa Drengemann. Schon nach kurzer Zeit haben sie einen Teil ihres Gepäcks nach Hause geschickt, weil die Rucksäcke mit über 20 Kilogramm viel zu schwer waren.

Am dritten Tag hätten die Schülerinnen fast aufgegeben: „Das war der schlimmste Tag, wir waren beide richtig fertig.“ Thea Clasen meinte, sie würde die Alpenüberquerung nicht schaffen. Erst nach Telefongesprächen mit den Eltern entschlossen sich die Mädchen weiterzugehen. „Andere Wanderer haben uns auch geraten aufzugeben“, sagt Lisa Drengemann: „Aber ich wollte nicht abbrechen.“

Eine weitere große Herausforderung war es, mit dem festgelegten Geldlimit von 150 Euro pro Person auszukommen. „Wir hatten uns vorher ausgerechnet, wie viel wir brauchen für die Anreise und die Übernachtungen“, erzählt Lisa Drengemann, denn auch die jeweils zweitägige Hin- und Rückreise mussten sie von diesem Geld bezahlen. Die beiden Jugendlichen durften sich wegen der relativ hohen Kosten aber etwas dazuverdienen. Die Blütlingerin hat deshalb für 50 Euro Dinge auf einem Flohmarkt verkauft. Um Geld zu sparen, wollten sie eigentlich draußen übernachten. Das war aber nicht möglich, weil es oft regnete und in den Bergen teilweise Schnee lag. Deshalb schliefen die Beiden nur einmal unter freiem Himmel, aber auch in jener Nacht fing es an zu regnen. Danach haben die Wanderinnen in Hütten des Deutschen Alpenvereins übernachtet, in den sie für ihre Wanderung eingetreten waren. Aber auf den Hütten konnte man keinen Tag Pause einlegen, um sich auszuruhen. Nur einmal haben sie im Tal in einem Kloster geschlafen.

Nicht zuletzt war es für die Blütlingerin eine Herausforderung, wie sie mit ihrer Mitschülerin während einer solch strapaziösen Tour klarkommen würde. Lisa Drengemann hatte Thea Clasen erst ein paar Monate vorher kennengelernt, weil sie erst im Frühjahr an die Jeetze-Schule gewechselt war. Sie war die körperlich und mental Stärkere, die ihre Mitwandererin aufmunterte und motivierte weiterzugehen. „Irgendwann wollte aber auch Thea es unbedingt schaffen“, schildert Lisa Drengemann.

Zum Stolz, die Alpenüberquerung tatsächlich geschafft zu haben, kommen einige schöne Erlebnisse mit anderen Wanderern, erinnert sich die Blütlingerin: „Uns wurde oft etwas zu essen und zu trinken ausgegeben, weil die Leute Mitleid mit uns hatten.“ Ein Ehepaar aus Salzwedel hat ihr sogar eine neue Hose geschenkt, weil sie am dritten Tag gestürzt war und ihre alte Hose zerrissen war. Und: „Viele Leute fanden es toll, was wir gemacht haben, und haben deshalb etwas in mein Tagebuch geschrieben, das ich während der Wanderung geführt habe.“

3 Kommentar auf “„Ich wollte nicht abbrechen“
  1. Judith Sheltonoshko sagt:

    Toll gemacht, ihr beiden! Eine hervorragende Herausforderung! Ihr könnt richtig stolz auf euch sein!

  2. Nadine Mewes sagt:

    Dafür haben die beiden auf jeden Fall richtig viel Respekt verdient… aber auch für alle anderen Schüler mit ihren Herausforderungen kann man nur den Daumen heben … Ich finde es klasse das die Jeetzeschule solch ein Projekt startet … ich glaube besser kann man Jugendliche nicht aufs Leben vorbereiten … denn nur wer seine Grenzen kennt und auch mal drüber raus gegangen ist kann meiner Meinung nach im Leben was erreichen … Daumen hoch für alle Beteiligten !!!

  3. Lutz Franke sagt:

    In sechs Tagen zu Fuss über die Alpen. Dafür kann man die Mädels nur bewundern und beneiden 🙂

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